Tutorial: Oral-History-Mikrostory
Das Template „Oral-History-Mikrostory“ hilft dabei, Erinnerungsquellen, Interviews oder biografische Ausschnitte verantwortungsvoll in eine kurze erzählerische Form zu bringen. Es verbindet Quellenarbeit, narrative Verdichtung, Ethik, Rechte und Reflexion.
Warum dieses Template besonders sensibel ist
Oral-History-Material ist nicht frei verfügbares Erzählmaterial. Es enthält Stimmen, Erinnerungen, Perspektiven und oft persönliche oder sensible Informationen. Deshalb fragt das Template nach Einwilligung, Schutzbedarf, Anonymisierung, Quellenkontext und editorischen Eingriffen. Die Erzählung darf die Quelle nicht verfälschen.
Arbeitsweise
- Forschungsfrage und Ethik klären: Thema, Ziel, Einwilligung und Schutzbedarf festhalten.
- Quellenbasis dokumentieren: Ausschnitt, Kontext und Nutzungsrahmen beschreiben.
- Motive und Perspektive bestimmen: Leitmotive und angemessene Erzählperspektive wählen.
- Mikrostory entwerfen: Material in kurze, quellengestützte Segmente verdichten.
- Rechte und Präsentation prüfen: Veröffentlichung, Zugriff und Reflexion klären.
Beispiel
Ein Interviewausschnitt berichtet von einer Fluchterfahrung, einem Schulwechsel oder einer Erinnerung an einen Ort. Eine Mikrostory sollte nicht dramatisieren, was die Quelle nicht hergibt. Stattdessen kann sie eine kurze, respektvolle Sequenz entwickeln, in der klar bleibt: Was stammt aus der Quelle? Was ist editorischer Übergang? Was wurde ausgelassen?
KI-Nutzung
KI kann bei Strukturierung oder Formulierung helfen, darf aber keine sensible Quelle frei umformen. Wenn KI genutzt wird, sollten Zweck, Prompt, Übernahmen, Veränderungen, Verwerfungen und Prüfhandlungen dokumentiert werden. Rechte, Bias und Persönlichkeitsrechte sind hier besonders wichtig (KMK, 2024; Oral History Association, 2025; UNESCO, 2024).
Qualitätscheck
Der Check achtet auf Quellenprüfung, Rechteprüfung, Eigenanteil, Reflexion und verantwortliche Perspektivführung. Eine gute Mikrostory ist nicht nur wirkungsvoll, sondern quellenbewusst und ethisch tragfähig.
AI-Literacy-Verortung
Bei Oral-History-Projekten steht Engaging with AI im Sinne kritischer Prüfung im Vordergrund. KI-Ausgaben müssen besonders sorgfältig kontrolliert werden, weil sensible Stimmen, Erinnerungen und Rechte betroffen sind. Nutzerinnen und Nutzer prüfen daher, ob eine KI-Formulierung die Quelle verfälscht, dramatisiert, anonymisieren müsste oder problematische Zuschreibungen erzeugt (OECD, 2025).
Managing AI bedeutet hier: KI darf nur klar begrenzte Aufgaben übernehmen, etwa eine Gliederung vorschlagen oder eine Frage zur ethischen Prüfung formulieren. Sie darf keine biografische Aussage erfinden und keine Quelle frei ausschmücken. Das Plugin macht diese Grenze sichtbar, indem es nach Zweck, Prompt, Übernahme, Veränderung, Verwerfung, Prüfung, Rechten, Bias und Eigenanteil fragt.
Literaturverzeichnis
- KMK. (2024). Handlungsempfehlung für die Bildungsverwaltung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz in schulischen Bildungsprozessen. Kultusministerkonferenz. https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2024/2024_10_10-Handlungsempfehlung-KI.pdf
- Leh, A. (2020). Oral History als Methode. In Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung. Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-27798-7_20-1
- OECD. (2025). Empowering learners for the age of AI: An AI literacy framework for primary and secondary education (Review draft). OECD. https://ailiteracyframework.org
- Oral History Association. (2025). OHA principles and best practices. https://oralhistory.org/principles-and-best-practices-revised-2018/
- Oral-History.Digital. (o. J.). Oral-History.Digital: Interviewportal, Erschließungsplattform, Forschungsumgebung. https://www.oral-history.digital/
- UNESCO. (2024). AI competency framework for students. UNESCO. https://www.unesco.org/en/articles/ai-competency-framework-students