Tiere, Daten, Perspektiven – Digital Storytelling
Tiere reagieren auf Straßen, Licht, Nahrung, Wetter und Störungen. Das Seminar folgt ihren Spuren und fragt, wie aus Bewegung Daten, aus Daten Deutungen und daraus verantwortete digitale Geschichten entstehen.
Ein interdisziplinäres Seminar der Fächer Deutsch, Biologie, Geographie, Alltagskultur und Gesundheit, Philosophie und Kunst.
Bewegung verbindet Verhalten, körperliche Möglichkeiten, Orientierung und Umweltbedingungen. Eine Route erhält deshalb erst Bedeutung, wenn z.B. Tierart, räumlicher Maßstab, Landschaft, Begegnungen und Intentionen gemeinsam betrachtet werden (Nathan et al., 2008).
KI generiert
KI generiertWer handelt im Raum?
Das Forschungsfeld More-than-Human untersucht Beziehungen zwischen Menschen, Tieren, Infrastrukturen und Umwelten. Die in diesem Seminar genutzten Tierbewegungen werden als artspezifische Reaktionen auf Ressourcen, Barrieren, Veränderung und Interaktion gelesen – nicht als bloße Datenpunkte oder vermenschlichte Geschichten.
Perspektivwechsel bedeutet nicht, Tieren menschliche Absichten zuzuschreiben. Er bedeutet, menschliche Deutungen offenzulegen und tierliches Verhalten fachlich begründet zu interpretieren (Whatmore, 2006; Karlsson, 2012; Lorimer, 2010).
Eine Route ist noch keine Erklärung.
Die GPS-Daten zeigen Zeit und Position. Erst Datenqualität, zeitliche Auflösung, Landnutzung, Wetter, Infrastruktur und artspezifisches Wissen machen aus Koordinaten eine begründete Interpretation.
Die Datenpunkte zeigen eine Spur. Interpretation beginnt dort, wo wir nach Bedingungen, Unsicherheiten und fehlenden Informationen fragen.
- Welche Umwelt- und Landnutzungsbedingungen liegen entlang der Route?
- Welche Muster verändern sich mit Tageszeit, Jahreszeit oder räumlichem Maßstab?
- Welche Messfehler, Datenlücken und nicht erfassten Wahrnehmungen begrenzen unsere Deutung?
(Kays et al., 2022; Nathan et al., 2008)
KI generiert
KI generiertEine Spur. Verschiedene Formen des Verstehens.
Fachperspektiven richten unterschiedliche Begriffe, Methoden und Kriterien auf dieselbe Tierbewegung. Erkenntnis entsteht dort, wo diese Zugänge miteinander ins Gespräch kommen. Nicht jede Perspektive erklärt dasselbe. Entscheidend ist, welchen Ausschnitt sie sichtbar macht, wie sie ihn begründet und wo ihre Grenzen liegen.

Fachperspektive
Alltagskultur und Gesundheit
Ernährung · Bekleidung · Konsum · Gesundheit · Nachhaltigkeit · soziale Beziehungen · alltägliche Lebensführung
Wie wirken menschliche Alltagspraktiken, Konsumentscheidungen, Ernährungsweisen und Formen der Flächennutzung auf Tiere, Lebensräume, soziale Ungleichheiten und gesundheitsbezogene Lebensbedingungen?

Fachperspektive
Biologie
Verhalten · Wahrnehmung · Anpassung · Ökologie · Lebensweise · Bewegungsstrategien
Welche biologischen Voraussetzungen, artspezifischen Bedürfnisse und Umweltbedingungen helfen, die beobachteten Bewegungsmuster zu erklären?

Fachperspektive
Deutsch / Germanistik
Erzählperspektive · sprachliche Rahmung · Narration · Repräsentation · Adressatenwirkung
Wie verändert Sprache, ob ein Tier als handelndes Lebewesen, als Symbol, als Konfliktfaktor oder lediglich als Datenobjekt erscheint?

Fachperspektive
Geographie
Raum · Maßstab · Landnutzung · Mobilität · Infrastruktur · Mensch-Umwelt-Beziehungen
Welche räumlichen Beziehungen werden sichtbar, wenn Tierbewegungen mit Siedlungen, Verkehrswegen, Ressourcen und Landschaftsveränderungen verbunden werden?

Masterstudiengang
Kulturelle Bildung
Ästhetische und kulturelle Praxis · Vermittlung · Teilhabe · Diversität · Öffentlichkeit · institutionelle Kontexte
Wie kann aus einer datenbasierten Tiergeschichte ein zugängliches Vermittlungsformat entstehen, das unterschiedliche Öffentlichkeiten beteiligt, ohne fachliche Komplexität und widersprüchliche Perspektiven zu glätten?

Fachperspektive
Kunst
Beobachtung · Komposition · visuelle Übersetzung · Materialität · Bildkritik · ästhetische Erfahrung
Wie lassen sich Daten und tierliche Perspektiven sichtbar machen, ohne sie dekorativ zu vereinfachen oder durch eindimensionale Bilder festzuschreiben?

Fachperspektive
Philosophie
Erkenntnisgrenzen · Handlungsmacht · Verantwortung · Tierethik · Anthropozentrismuskritik
Welche Aussagen können wir über nichtmenschliche Perspektiven begründet treffen, und welche Verantwortung entsteht aus der Art, wie wir Tiere beobachten, beschreiben und darstellen?
KI generiertGestalten heißt auswählen – und begründen.
Digital Storytelling verbindet Sprache, Bilder, Karten, Videos, Ton und menschliche Interaktion mit digitalen Medien. KI kann bei der Gestaltung anregen, unterstützen und Material strukturieren sowie produzieren. Fachliche Prüfung, transparente Einordnung und ethische Bewertung bleiben menschliche Aufgaben. Im Seminar werden verschiedene KI-Tools genutzt, um Digital Stories zu produzieren, die KI-Nutzung kritisch zu reflektieren und KI-Literacy zu schulen (Hull & Nelson, 2005; Ng et al., 2021; Wu & Chen, 2020).
Aus Daten werden verantwortete Erzählungen.
Es werden digitale Lernprodukte entwickelt und dabei Quellen, Auswahlentscheidungen, Unsicherheiten und Perspektiven dokumentiert. So entstehen fachlich belastbare Zugänge für Unterricht und Öffentlichkeit. Gearbeitet wird dabei in der Nexus Workbench – einem für das Lehr-Lern-Labor entwickeltem KI-gestütztem Tool zur Entwicklung digitaler Geschichtsgrundlagen. Beispiele für Digital Storytelling Formate:
- Storymaps
- Interaktive Karten
- Datenbasierte Bildergeschichten
- Comics und Storyboards
- Audioerzählungen
- Multimodale Unterrichtsmaterialien
Spuren lesen. Zusammenhänge prüfen. Perspektiven verbinden. Geschichten verantwortlich gestalten.
Literaturverzeichnis
Quellen der auf dieser Seite verwendeten Kurzbelege.
Hull, G. A., & Nelson, M. E. (2005). Locating the semiotic power of multimodality. Written Communication, 22(2), 224–261. https://doi.org/10.1177/0741088304274170
Karlsson, F. (2012). Critical anthropomorphism and animal ethics. Journal of Agricultural and Environmental Ethics, 25(5), 707–720. https://doi.org/10.1007/s10806-011-9349-8
Kays, R., Davidson, S. C., Berger, M., Bohrer, G., Fiedler, W., Flack, A., Hirt, J., Hahn, C., Gauggel, D., Russell, B., Kölzsch, A., Lohr, A., Partecke, J., Quetting, M., Safi, K., Scharf, A., Schneider, G., Lang, I., Schaeuffelhut, F., … Wikelski, M. (2022). The Movebank system for studying global animal movement and demography. Methods in Ecology and Evolution, 13(2), 419–431. https://doi.org/10.1111/2041-210X.13767
Lorimer, J. (2010). Moving image methodologies for more-than-human geographies. Cultural Geographies, 17(2), 237–258. https://doi.org/10.1177/1474474010363853
Nathan, R., Getz, W. M., Revilla, E., Holyoak, M., Kadmon, R., Saltz, D., & Smouse, P. E. (2008). A movement ecology paradigm for unifying organismal movement research. Proceedings of the National Academy of Sciences, 105(49), 19052–19059. https://doi.org/10.1073/pnas.0800375105
Ng, D. T. K., Leung, J. K. L., Chu, S. K. W., & Qiao, M. S. (2021). Conceptualizing AI literacy: An exploratory review. Computers and Education: Artificial Intelligence, 2, Article 100041. https://doi.org/10.1016/j.caeai.2021.100041
Whatmore, S. (2006). Materialist returns: Practising cultural geography in and for a more-than-human world. Cultural Geographies, 13(4), 600–609. https://doi.org/10.1191/1474474006cgj377oa
Wu, J., & Chen, D.-T. V. (2020). A systematic review of educational digital storytelling. Computers & Education, 147, Article 103786. https://doi.org/10.1016/j.compedu.2019.103786