Das Seminar verbindet verschiedene Fächer über eine gemeinsame More-than-Human-Perspektive. Im Zentrum stehen Rotfuchs, Wolf und Storch als Tiere, an denen sich literarische Deutungen, kulturelle Tierbilder, räumliche Mensch-Tier-Konstellationen und aktuelle Umweltfragen bearbeiten lassen. Als Ausgangspunkt dienen hierbei reale GPS Trackingdaten unterschiedlicher Movebank Forschungsprojekte der Tiere. Herausgesucht wurden Daten von Individuen, die vom Menschen geprägte Räume über längere Zeit bewohnen/nutzen. Die Daten sind in Ringwood (England, Rotfuchs), Fort McMurray (Alberta, Kanada, Wolf) und Karlsruhe & Madrid (Deutschland & Spanien, Storch) verortet.
Ziel ist es, Tiere nicht nur als Objekte menschlicher Deutung zu betrachten, sondern als Lebewesen, die Texte, Räume, Konflikte, Wahrnehmungen und Erzählungen mitprägen. Das Verhältnis von Mensch und Tier sowie die damit verbundenen literarischen und realweltlichen Räume werden aus de-anthropozentrischer Perspektive neu erschlossen, verknüpft und didaktisch aufgearbeitet. Die Studierenden erarbeiten zunächst einen gemeinsamen Einstieg in die More-than-human-Perspektiven, bevor sie sich fachlich vertiefen. In der Germanistik stehen Cultural and Literary Animal Studies im Mittelpunkt, um Tierdarstellungen in Literatur — etwa in Fabeln, Märchen, Gedichten, Tierepen oder Erzähltexten — zu analysieren und neu zu interpretieren. In der Geographie bilden die neuen Tiergeographien als Bestandteil der More-than-human geographies den fachlichen Zugang. Untersucht wird, wie Räume nicht nur vom Menschen genutzt und geordnet werden, sondern auch von, mit und durch Tiere entstehen, verändert und wahrgenommen werden. Die Biologie ergänzt diese Perspektive, indem sie Tiere als eigenaktive Lebewesen in ökologischen Beziehungsgefügen betrachtet. Im Zentrum stehen Tierverhalten, Umweltwahrnehmung, Habitatnutzung, Anpassungsstrategien und multispezifische Interaktionen, durch die Tiere ihre Lebensräume mitgestalten und auf menschlich veränderte Umwelten reagieren. In der fachlichen Arbeitsphase erarbeiten die Studierenden Grundlagen sowie erste didaktische Zugänge und wählen einen individuellen Schwerpunkt auf Rotfuchs, Wolf oder Weißstorch. Anschließend werden sie entsprechend ihrer Tierwahl in interdisziplinäre Kleingruppen eingeteilt. Auf dieser Basis entwickeln sie ein gemeinsames Unterrichtsmaterial im Sinne des Digital Storytelling, das die Perspektiven beider Fächer verbindet und in narrative, multimodale Lernangebote übersetzt. Die Materialien sind für den Einsatz in der Grundschule, Sekundarstufe I oder II angelegt. Damit werden die fachlichen Perspektiven interdisziplinär verknüpft und zugleich zentrale Aspekte von AI Literacy praktisch erfahrbar gemacht, indem KI-Tools reflektiert zur Ideenentwicklung, Gestaltung und Überarbeitung digitaler Storytelling-Produkte eingesetzt werden.